Jede dritte Person über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr. Die Folgen reichen von Prellungen bis zum Oberschenkelhalsbruch – und damit oft zum Heim. Vorbeugung lohnt sich; sie ist eine der wirksamsten Massnahmen, um ein selbstbestimmtes Leben zuhause zu erhalten.
Stürze haben selten nur eine Ursache. Meist treffen mehrere Faktoren zusammen: nachlassende Muskelkraft, schlechtes Sehen, niedriger Blutdruck nach dem Aufstehen, Medikamente, ein loser Teppich, eine schlecht ausgeleuchtete Treppe. Sturzprävention setzt deshalb an mehreren Stellen gleichzeitig an.
Bewegung erhalten
Tägliche kurze Spaziergänge, einfache Kraft- und Gleichgewichtsübungen (z. B. aus der Spitex-Sturzprävention oder dem Pro-Senectute-Programm „Gleichgewicht und Kraft“) halten Muskulatur und Reaktionsfähigkeit aufrecht. Schon zehn Minuten pro Tag wirken nachweislich.
Wichtig: Bewegung soll Spass machen und in den Alltag eingebaut werden – Treppe statt Lift, einbeinig Zähne putzen, im Stehen Hemd zuknöpfen. Das wirkt nachhaltiger als ein wöchentlicher Kurs.
Wohnung sturzsicher machen
- Lose Teppiche fixieren oder entfernen.
- Nachtbeleuchtung im Flur und Bad – idealerweise mit Bewegungsmelder.
- Festes, geschlossenes Schuhwerk auch in der Wohnung – keine offenen Pantoffeln.
- Hilfsmittel (Rollator, Gehstock) richtig einstellen und regelmässig kontrollieren lassen.
- Haltegriffe an strategischen Stellen: Bett, WC, Dusche, Eingang.
Medikamente prüfen
Schlaf-, Beruhigungs- und Blutdruckmedikamente erhöhen das Sturzrisiko. Eine jährliche Medikamentenprüfung beim Hausarzt ist Pflichtprogramm – ebenso wie ein Sehtest und die Kontrolle der Hörgeräte. Wer schlecht sieht oder hört, stürzt häufiger.
Was nach einem Sturz wichtig ist
Auch wenn nichts gebrochen ist: Jeder Sturz ist ein Warnsignal. Die Angst vor dem nächsten Sturz führt oft zu Bewegungseinschränkung – und damit zu noch grösserer Sturzgefahr. Wichtig ist, den Sturz ernst zu nehmen, die Ursache zu klären und Bewegung wieder behutsam aufzubauen.
Eine Bedarfsanalyse vor Ort kann individuelle Risikofaktoren erfassen und priorisieren – meist sind drei bis fünf konkrete Massnahmen wirksamer als eine lange Liste guter Vorsätze.